Reiselust und William Murdoch

Ich liebe es, meine persönlichen Schottlandabenteuer mit Reiselustigen zu teilen. Eine doppelte Wonne ist es, wenn ich spüre, dass deren Herzen anfangen im Sturmtakt für Land und Leute zu schlagen. Das erinnert mich immer wieder an meine Anfangszeit an diesem einzigartigen Fleckchen Erde und genau dann wird mir wieder ganz warm ums Herz. Ein klein wenig wie verliebt sein. Ja, das trifft es prima, finde ich. Wenn man etwas lieb gewonnen hat und von der Schönheit und Einzigartigkeit verzückt ist, sind Neugierde und Wissenslust ungebremst. Ein irre erquickendes Gefühl, das ewig währen könnte. Findet ihr nicht auch? Diesen Luxus eines Lebens im zauberhaften Abenteuer gönne ich mir seit vielen Jahren. Zeit ist kostbar. So ist ein bestens gefülltes, kunterbuntes und spannendes Nähkästchen herangewachsen, dessen Deckel ich für meine Gruppen sehr, sehr gerne lüfte. Verglichen mit unzähligen Garnfaben und Zubehör, kann man mich jederzeit bildlich „mit der Nadel anpieksen“ und wir könnten uns spontan in Plauderlaune im fesselnden Schottlandplausch vergessen. Sooo schön!

 

Während meiner Reisen wurde ich sehr oft gebeten, mein Know-how als „Urlaubserinnerung“ für neugewonnene Schottlandfans oder jene, die es werden wollen niederzuschreiben. Einige der Gäste haben mich auf die Idee gebracht, dass es doch auch nett wäre, diese fröhlichen Anekdoten in faszinierende Bilder und spontane Überraschungen auf meine Webseite zu packen. Geballtes Schottlandglück! Das kann ich gut nachvollziehen und es freut mich riesig, dass man in diesen einzigartigen doch zahlreichen, kleinen sowie großen Erlebnissen immer wieder gerne, in Gedanken schwelgend, stöbern mag. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich mach das jetzt und schreibe meine persönlichen Schottlandstories runter.

 

Lest euch ins fröhliche, „typical Scottish“ Beryl-Vergnügen.

 

Starten wir mit einem extrem coolen Typen, dem vor geraumer Zeit hier im wahrsten Sinne des Wortes „ein Licht aufging“. Los geht’s mit ….

 

William Murdoch, der Held mit „hellem Köpfchen“.

 

Aber bevor wir Vollgas geben und zu unserem heutigen Protagonisten kommen, lasst uns noch einen kleinen Schlenker durch die Gegend machen. Ihr seht, es fällt mir wahrlich schwer, beim Thema zu bleiben. Kein Wunder bei derart viel Erzählenswertem, über das ich stundenlang vor mich hinschwärmen könnte.

 

Mit Blick auf den „Firth of Clyde“ an der Küste von Ayrshire liegt das majestätische „Culzean Castle“ (sprich Koulläin Kaassel). Ein malerischer Ort, eingerahmt in eine traumhafte Landschaft inmitten des Klippen-Nationalparks, begeistert er Jung sowie Alt mit seiner erstaunlichen Architektur, spannender Geschichte und Lage. Die wunderschönen Gärten sind eine beliebte Wohlfühloase für Jedermann. Ein absolutes Muss ist der Besuch des legendären Gas House. Nur eines, der unzähligen spannenden Features der Region. Ok, auf den ersten Blick mag es nicht sonderlich aufregend erscheinen, aber es ist tatsächlich unglaublich selten. In der heutigen Zeit noch ein überlebendes Gaswerk zu finden, das ausschließlich für ein Anwesen erbaut wurde, ist eine echte Rarität. Entstanden ist es aufgrund einer simplen Begebenheit, denn der 12. Earl of Cassillis hatte es im 19. Jahrhundert schlichtweg satt, sein imposantes und mächtiges Anwesen teuer und umständlich mit Kerzen und Öllampen zu beleuchten. Zuvor hatte es David Kennedy, der 10. Earl of Cassillis, wohl aufgrund seines opulenten Reichtums nicht nötig, sich auf die Pirsch nach einer effizienteren Weise zu machen. So tappten er und seine Bewohner zu seiner Zeit noch völligst im Dunkeln!

 

Wissenschaft und Technik machten es aber zu guter Letzt doch möglich. So wurde das Gas von einem sogenannten Gasmanager erzeugt und in einem Gasometer für den Abruf gespeichert. Bei Bedarf wurde dieses zum Anwesen geleitet und half erfolgreich dabei, dass den Schotten und deren Zuhause der damaligen Zeit ein Licht aufging. Denkt nur mal an die erleuchtete Burgversion des „Großen Gatsby“. Aber das „Gas House“ ist nur eines der unglaublichen Sehenswürdigkeiten des „Culzean Castles“. Ganz in der Nähe findet ihr das restaurierte Gas-Manager-Haus, in das es sich auf jeden Fall lohnt, einen neugierigen Blick zu werfen. Nördlich von der Burg gelegen, lieferte es bis 1940 Kohlengas für diese und ist heute ein Museum und erinnert aufschlussreich an die frühe Gasproduktion.

 

Stürzt euch in die Geschichten, ihr werdet sie lieben.
Aber jetzt endlich zu unserem Helden!

 

William Murdoch, einer von Schottlands renommiertesten Erfindern, kann sich mit genau jener Erfindung brüsten. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kohlengasbeleuchtung herkömmliche Lichtquellen ablöste und so innovative, neue Wege etabliert werden konnten. Er im Speziellen war es, der entdeckte, dass Kohlengas zur Beleuchtung diente. So entwickelte William Murdoch hocheffiziente Technologien, die es entfernten Landhäusern wie zum Beispiel dem „Culzean Castle“ ermöglichten, auf diese Art beleuchtet zu werden. Ein Erfinder, der stets mit- und weiterdachte. Vorausblickend schlug er die Verwendung von kleineren Gaskraftwerken an einzelnen Standorten vor, statt riesige Gaswerke, um Städte zu versorgen. Murdoch „brannte förmlich lichterloh“ für seine Erfindungen, was mit bleibendem Erfolg geadelt wurde. Er selbst war Schotte durch und durch, in Ayrshire geboren und kämpfte beharrlich für seine zukunftsbringenden Ideen und Visionen. Man sagt, er sei den ganzen weiten Weg nach Birmingham zu Fuß gelaufen, um Arbeit zu finden. Vielleicht war das ja der Grund, weshalb er zu seiner Zeit eine Dampflokomotive erfand. Dass der erste Ideenstein so vielleicht ins Rollen kam. Das würde doch passen …

 

William Murdoch war in der Tat ein wahrlich „helles Köpfchen“!